Alpkäse – das weisse Gold von den nahen Höhen
Milch macht müde Frauen munter – Alpkäse macht liebe Mannen räss
- Alpkäse ist nicht gleich Bergkäse! Die Herkunft macht die Musik! Während ersterer nur sommers aus frischer Alpmilch in den Alphütten hergestellt wird, wird letzterer in Talkäsereien das ganze Jahr über fabriziert. Die Milch für den Bergkäse muss mit dem Berg nicht zwingend immer etwas zu tun haben, Alpkäse mit der Alp hingegen schon! Alpkäse ist daher ein echtes Naturprodukt!
Wer Alpkäse isst, tut zugleich auch etwas Gutes für sein Herz. Was man früher wusste, ohne es zu wissen, wird heute von schlauen Menschen wissenschaftlich nachgewiesen: Im Alpkäse befinden sich besonders viele Omega-3-Fettsäuren, welche den Cholesterinwert im Blut stabilisieren, den Herzkreislauf positiv beeinflussen und gegen verkalkte Arterien heilend wirken sollen. Doch wie kommen diese besonderen Fettsäuren in den Alpkäse? Erklärungen hierzu gibt es Einige: Je weiter oben auf der Alp, desto intensiver die Sonneneinstrahlung, desto kräftiger die frischen Kräuter und Gräser aber auch desto spärlicher das Futter. All dies hält die futtersuchenden Tiere auf Trab und macht aus ihrer Milch alle müden Männer munter...
Gedanken über die Alpmilch (Text Martin Bienerth)
- Über die (Alp-)Milch lohnt es sich nachzudenken
Milch ist älter als die Geschichte von uns Menschen, viel älter sogar. Erstmals in der Geschichte des Lebens konnte eigener Nachwuchs mit einem Saft des eigenen Köpers ernährt werden. Milch ist auch mehr als nur Wasser, Zucker, Fett und Eiweiss. Milch bedeutet Leben. Alle Säugetiere, auch wir Menschen, beginnen unser Leben auf dieser Erde mit einem kräftigen Schluck dieses warmen Saftes. - Milch als Lebensmittel
Die Milch ist ein Teil des Lebendigen, ihr Wesen bringt uns in das «Reich der Mütter», und Mutterherden, Kuhherden sind es, die wir Hirten auf den Milchkuhalpen hüten und betreuen. Stillende Mütter und säugende Tiere sind der Inbegriff von Ruhe und Frieden, genauso empfinden es viele Bergwanderer, wenn sie durch die Alpenwelt spazieren oder auch nur Bilder sehen von deren Unberührtheit, Seltenheit und Schönheit. - Milch als Nahrungsmittel
Dem Aufbau der Milch wurde in den letzten Jahrhunderten viel Beachtung geschenkt. Wir wissen Bescheid über Fett- und Eiweissgehalte, über Milchzucker und Mineralstoffe. Dass es das Blut ist, das die notwendigen Bausteine zur Milchbildung heranführt ist uns ebenfalls geläufig wie das Bewusstsein, dass die Natur seit Jahrmillionen Stunde für Stunde, Tag für Tag und Jahr für Jahr diese Bausteine in ausgeklügelter Form so zusammensetzt, dass Leben erhalten und gefördert wird. - Milch als Heilmittel
Es gab Zeiten in der Geschichte, wo Milchprodukte wie Butter oder Molke auch als Heilmittel eingesetzt wurden. Wohltuende Molkebäder, angeboten in den bekanntesten Kurzentren im Alpenraum waren vor hundert Jahren keine Seltenheit und der Butter wurden in der Vergangenheit heilende Wirkungen nachgesagt.
- Milch heute
Milch wird heute als Rohstoff gesehen. Sie wird als Rohstoff produziert und wie Rohstoff behandelt. Der «moderne» Lagerplatz der Milch ist die Strasse. Noch nie in der Kulturgeschichte der Milch wurde sie so viel hin und her bewegt wie in der heutigen Zeit. Jede Bewegung der Milch bringt jedoch Qualitätseinbussen mit sich, das wissen alle. Sie verliert ihre Aufgabe als Lebensmittel und Heilmittel. Was übrig bleibt sind ihre Nährstoffe, degenerierte Bausteine, ultrahocherhitzt, tetraverpackt, austauschbar und einsetzbar, wie ich es als Mensch gern möchte. Milch wurde zum Problem, Milchüberschüsse, Milchseen, Butterberge, und alles gipfelt in der ständigen Zunahme von Milchallergien.
- Alpmilch
Morgens gegen 4 Uhr aufstehen, in die dunkle Nacht stolpern, die Kühe auf der Nachtweide wecken, sie zusammen mit dem Hirtenhund Tao zum Alpstall treiben, dabei die langsame Geburt des Tages erleben, einstallen, jedes Tier hat seinen Platz, Melkzeug richten, Stallstiefel, Melkstuhl und los geht’s. Der noch schläfrige Kopf ruht beim Anhandeln in der Kuhle von Gerda und die Augenlieder wollen sich schliessen, da tönt es im Stalleingang „Kaffee!“ Schon der Gedanke allein erreicht vor seinen Düften meine Gehirnzellen und weckt meinen müden Geist. Mein Cappuccino ist schnell bereitet, ich bin zum zweiten Mal erwacht heute morgen und nach dem Kaffee, der mich erst richtig funktionieren lässt, melke ich mir noch eine Tasse Milch, süss ist sie, noch viel süsser nach dem bitteren Kaffee und vollmundig, einfach gut. Das ist Alpmilch, ein Gedicht, ein Erwachen, nicht mehr und nicht weniger...(Auszug aus dem Buch Prättigauer Alpen; Text von Martin Bienerth)




