Schafe

Mit Schäfchen zählen ist hier nichts.

Der Schäfer als verkannter König der Alpen

Im obersten Vegetationsgürtel, am Fusse der Geröllhalden und Felsen, weiden des Sommers die Schafe. Der Schafhirte lebt am weitesten weg von der Zivilisation, in der primitivsten Hütte, in der wildesten Gegend. In der Hierarchie der Älpler steht er weit unten, doch thront er hoch über den anderen Älplern oben am Berg.

Der Schafhirte - der Steuermann

Der Schafhirte ist ein Steuermann. Er lenkt die Herde mittels Fernsteuerung. Sein Hund ist der Sender, sein Fernglas der Empfänger. Distanz wahren, die Herde ruhig halten, Bewegungen beobachten und nötigenfalls korrigieren, das sind seine Aufgaben. Das heisst vor allem laufen, laufen, laufen. Es gibt Tage, da ist der Schafhirte acht und mehr Stunden unterwegs.

Kirchlispitzen, Drusenfluh, Sulzfluh, Chüenihorn, die Schafe fressen sich durch die schmalen Grasbänder unter den Felswänden. Schafe hüten braucht Fingerspitzengefühl, sind Schafe doch äusserst schreckhaft. Ein falsches «Hopp» des Schäflers oder ein «Wau» des Hirtenhundes kann hoch oben am Berg tödliche Folgen haben. Und weiter unten lockt ständig das saftige Gras der Rinderalpen. Wehe die Schafe geraten ins Revier der anderen! Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen Rind- und Schafalp? Mal hier, mal da, je nach Standpunkt. Konflikte sind daher an der Tagesordnung. Das war schon immer so, das wird wohl auch so bleiben.

Der Schafshirte - der Beschützer

Anderes könnte sich ändern. Wäre der Wolf in der Nähe, müssten die Prättigauer Schafhirten zusätzlich mit Schutzhunden hirten. Dann bekämen die Schafhirten plötzlich eine neue wichtige Funktion, die Behütung ihrer Herden vor Wildtieren, und sie würden aus dem Älplerschattendasein zu den Hirtenkönigen aufsteigen.

(Auszug aus dem Buch Prättigauer Alpen; Text von Barbara Sulzer und Barbara Wülser)

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